Ärzte

Ärzte im Versorgungssystem für dementiell erkrankte Menschen

Auf Grund der zu erwartenden demographischen  Entwicklung ist anzunehmen, dass die Anforderungen bei der Diagnostik, Therapie und psychosozialen Betreuung von dementiell erkrankten Menschen und ihren Angehörigen eine der größten ärztlichen Herausforderungen der Zukunft sein werden. Denn bei der Versorgung demenziell Erkrankter  nehmen niedergelassene Haus- und Fachärzte aber auch im Krankenhaus tätige Mediziner eine Schlüsselfunktion ein. 

Niedergelassene Haus und Fachärzte sind erste, vertraute Anlaufstelle, kennen die Betroffenen und deren soziales Umfeld meist schon jahrelang, sehen sie regelmäßig und sind daher am Besten in der Lage schon leichte Veränderungen der kognitiven Leistungsfähigkeit und des Verhaltens früh zu bemerken. Der Arzt im Krankenhaus ist gleichermaßen gefordert demenzrelevante Symptome zu beachten und entsprechend zu handeln 

Frühe Diagnostik und Therapie tragen erheblich dazu bei, die Erhaltung der häuslichen Versorgung und die Sicherung der Lebensqualität der Betroffenen und Angehörigen längst möglich zu gewährleisten. Je weniger weit der biologische Verlauf der Demenz fortgeschritten ist, umso wirkungsvoller ist die Behandlung. Ebenso können Komplikationen und Komorbiditäten soweit wie möglich minimiert werden. 

Auch ethische Konsequenzen sind beachtenswert, da die Betroffenen selbst, nur im Frühstadium rechtliche und betreuungsrelevante Maßnahmen in ihrem Sinne regeln und sich mit ihrer Erkrankung auseinandersetzen können.

Die Betroffenen haben ein Recht auf Lebensplanung!

z.B. Patientenverfügung, Vorsorgevollmacht, etc. 

Außerdem – erst nach erfolgter Diagnostik erhalten Angehörige die formale und die von ihnen als besonders wichtig empfundene „moralische Legitimation“, Hilfe in Anspruch zu nehmen. Des Weiteren eröffnet sich ihnen auch die Chance für Verhaltensmodifikationen gegenüber dem Demenzkranken.

Der Arzt ist demzufolge indirekt Ansprechpartner für die Betreuer des Demenzkranken, denn er hat die belasteten Angehörigen mit  im Blick. 

Betreuende Angehörige sind ohne Zweifel einer ungeheuren Belastung in der Pflege Demenzkranker ausgesetzt und jeder weiß, dass pflegende Angehörige als Folge von psychosozialem Stress ein sehr hohes Risiko von Depressionen und von somatischen Erkrankungen haben. Der Geriater Dr. Bosma spricht in diesem Zusammenhang vom „Angehörigensyndrom“ - überfordert, erschöpft, herabgestimmt.  

Die Problembewältigung für die Pflegenden ist daher viel einfacher und erfolgreicher, unter Einbeziehung regionaler Hilfeangebote, als im Einzelkämpferdasein. 

Kommunale Netzwerke helfen nicht nur Angehörigen, sondern auch direkt den betroffenen Kranken. Es ist offenbar, dass intensive, kooperative Betreuung und Behandlung einerseits, zu einer Verlangsamung des Krankheitsprozesses führt, andererseits damit zu einer Pflege und Betreuungserleichterung beiträgt. 

Praktizierte Vernetzung setzt aber zunächst voraus, dass es Akteure gibt, die einen Handlungsbedarf feststellen, die das Spektrum der Hilfeangebote kennen und dieses entsprechend abfragen.  

Allerdings bezüglich der Kenntnis und Einbeziehung regionaler Hilfeangebote, wie spezialisierte Ambulanzen, Beratungsstellen, Niedrigschwelligen Betreuungsangeboten, etc. ist noch Verbesserungspotential vorhanden. 

Es ist für alle Beteiligten hilfreich Netzwerke mit Kollegen aber auch Anderen, in die Betreuung demenziell erkrankter Patienten involvierten Berufsgruppen, zu bilden und schon Vorhandene zu nutzen. Der Arzt hat eine wichtige, integrierende Funktion,  d.h. bei Bedarf ist er derjenige, der kooperiert und koordiniert.